Zachman-Framework: Aufbau, Matrix und praktischer Einsatz

1. Mai 2026 · 8 min read

Das Zachman-Framework strukturiert komplexe Enterprise-IT-Architekturen. Wir zeigen, wie die Matrix aufgebaut ist, was sie leistet und wie Sie sie einsetzen können.

Inhalt

  1. Definition 
  2. Wofür kann man es nutzen?
  3. Vorteile & Nachteile
  4. Zachman-Matrix
  5. Template & PDF-Download
  6. Beispiel
  7. Zachman vs. Togaf vs. FEAF

Überblick: Zachman-Framework

  • 1987 von John Zachman bei IBM entwickelt, heute in Version 3.0 eines der bekanntesten Referenzmodelle für Enterprise Architectures
  • 36 Zellen aus sechs Perspektiven und sechs Fragekategorien für eine vollständige Beschreibung jeder Unternehmensarchitektur
  • Technologisch unabhängig, kombinierbar mit Frameworks wie TOGAF oder COBIT
  • Alle Elemente der Zachmann-Architecture miteinander verknüpft, Änderungen an einer Stelle sofort sichtbar
  • SoSafes Human-Risk-Management-Dashboard macht den Faktor Mensch in der Sicherheitsarchitektur messbar und steuerbar

Das Zachman-Framework lässt sich schrittweise einsetzen: Unternehmen wählen die relevanten Perspektiven und Fragekategorien, füllen die entsprechenden Matrixzellen aus und nutzen das Ergebnis als gemeinsame Grundlage für Architekturentscheidungen. Eine vollständige Befüllung aller 36 Zellen ist nicht zwingend erforderlich.

Das Zachman-Framework ordnet Unternehmensarchitekturen in ein vollständiges Raster aus Perspektiven und Fragekategorien. So lässt sich jeder Baustein einer Organisation gezielt beschreiben, ohne dass Zusammenhänge verloren gehen. Technische und nichttechnische Stakeholder arbeiten dabei mit denselben Begriffen.

Ja, es ist nach wie vor im Einsatz. Obwohl es bereits seit 1987 existiert, hat es nach wie vor große Relevanz und als Klassifikationsmodell ohne eigene Prozesse einen besonderen Vorteil: Organisationen können es als Ergänzung zu TOGAF oder COBIT einsetzen. Wer beide kombiniert, kann sowohl von der strukturellen Tiefe des Zachman-Ansatzes als auch von den konkreten Umsetzungswerkzeugen der anderen Enterprise-Security-Frameworks profitieren.

Das Zachman-Framework beantwortet die Frage, was in einer Unternehmensarchitektur beschrieben werden muss. TOGAF beantwortet, wie diese Arbeit organisiert wird. Es liefert Phasen, Methoden und konkrete Deliverables. Die Zachman-Architecture gibt dagegen keinen Prozess vor.

Nein, beim Zachman-Framework müssen nicht alle 36 Zellen befüllt werden. Sinnvoller ist es, sich auf die Zellen zu konzentrieren, die für die jeweiligen Architekturziele relevant sind. Das Framework selbst schreibt keine vollständige Befüllung vor.

Definition: Was das Zachman-Framework ist und woher es kommt

Eine präzise Definition des Zachman-Frameworks fällt leichter, wenn man seinen Ursprung kennt. John Zachman entwickelte das Framework 1987 während seiner Arbeit bei IBM. Sein Ziel war es, die wachsende Komplexität von Informationssystemen beherrschbar zu machen. Er orientierte sich dabei an klassischen Architektur- und Ingenieursdisziplinen: So wie ein Gebäude aus verschiedenen Perspektiven geplant wird, braucht auch eine Unternehmensarchitektur ein strukturiertes Beschreibungsmodell.

Das Ergebnis dieser Arbeit: eine Matrix aus 36 Feldern. Auf der einen Achse stehen sechs Fragekategorien, auf der anderen sechs Betrachtungsebenen. Wer sie systematisch durcharbeitet, erhält ein Gesamtbild seiner Organisation, von IT-Systemen und Prozessen über Daten und Standorte bis hin zu strategischen Zielen.

Mit Version 3.0 hat Zachman die Begrifflichkeiten des Frameworks überarbeitet und die Perspektiven schärfer voneinander getrennt. Seither findet es in Fachkreisen noch breiteren Einsatz als zuvor.

Zachman-Framework in der Praxis: Wofür Unternehmen es einsetzen

Wer eine Unternehmensarchitektur dokumentieren will, merkt schnell: Das größte Problem ist nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Struktur. Systeme sind beschrieben, aber nicht in Zusammenhang gebracht. Prozesse existieren, aber niemand weiß, wer sie verantwortet oder welche Daten sie nutzen. Genau hier setzt das Zachman-Framework an, nicht als Prozessmodell, sondern als Ordnungsrahmen.

Es stellt sechs Fragen: Was, Wie, Wo, Wer, Wann, Warum. Jede davon betrachtet es aus sechs Perspektiven, von der Geschäftsleitung bis zur technischen Umsetzungsebene. Wer das Zachman-Framework für Enterprise-Architecture-Arbeit nutzt, bekommt kein Rezept, sondern ein strukturiertes Raster, das zeigt, wo eine Organisation steht und wo Lücken klaffen.

Typische Situationen, in denen Unternehmen auf das Framework zurückgreifen:

  • Vor Transformationsvorhaben, wenn Architekturentscheidungen eine klare Grundlage brauchen
  • Bei der Einführung neuer Technologien, um bestehende Strukturen nicht aus dem Blick zu verlieren
  • Wenn regulatorische Anforderungen eine lückenlose Dokumentation verlangen
  • Immer dann, wenn IT-Teams und Fachbereiche eine gemeinsame Sprache brauchen

Stärken und Schwächen: Was das Zachman-Framework leistet und wo es an Grenzen stößt

Kein Framework ist für jeden Zweck gleich gut geeignet. Das Zachman-Framework überzeugt in bestimmten Bereichen klar, bringt aber auch Einschränkungen mit, die bei der Entscheidung für oder gegen die Zachmann-Architecture eine Rolle spielen sollten.

Vorteile

  • Technologisch unabhängig: funktioniert unabhängig von Plattformen, Tools oder Branchen
  • Alle 36 Zellen der Matrix sind miteinander verbunden, Änderungen an einer Stelle wirken sich sichtbar auf andere aus
  • Bietet verschiedene Perspektiven auf dieselbe Organisation, von der strategischen bis zur operativen Ebene
  • Legt den Anspruch zugrunde, keine Bereiche der Unternehmensarchitektur auszublenden
  • Kann als gemeinsame Sprache zwischen Fachbereichen und IT dienen

Nachteile

  • Kein Prozessmodell: Das Framework sagt nicht, wie die Arbeit organisiert werden soll
  • Der Einstieg ist aufwendig, die vollständige Befüllung aller 36 Zellen erfordert Zeit und personellen Aufwand
  • Ohne ergänzende Methoden bleibt es ein Dokumentationswerkzeug ohne Umsetzungskraft
  • Für kleine Organisationen kann es überdimensioniert wirken
  • Die Komplexität der Matrix kann ohne Schulung schnell überfordern

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Die Zachman-Matrix: Perspektiven und Fragen im Überblick

Die Zachman-Matrix ist das zentrale Element des Zachman-Frameworks. Zwei Achsen spannen das Raster auf: Die Vertikale zeigt sechs Perspektiven, also wer auf die Architektur blickt. Die Horizontale zeigt sechs Fragekategorien, also worauf der Blick fällt. An jedem der 36 Schnittpunkte entsteht ein klar abgegrenztes Beschreibungsfeld.

Die sechs Perspektiven (Rows)

Wer das Framework einsetzt, wählt den Blickwinkel, der für seine Fragen relevant ist, von der Unternehmensleitung bis zur technischen Umsetzungsebene.

Planner (Scope): Was ist der Gesamtrahmen?
Bevor ein einziges System beschrieben wird, klärt diese Ebene das Warum: Welchen Zweck verfolgt die Organisation und welchen Umfang hat sie insgesamt? Das ist die Grundlage für alle weiteren Beschreibungsebenen.

Owner (Business Model): Wie sieht das Unternehmen sich selbst?
Das Management denkt in Geschäftsprozessen, Zielen und Verantwortlichkeiten, selten in Systemarchitektur. Genau dieses Bild hält diese Ebene fest, aus der Perspektive derer, die das Unternehmen führen.

Designer (System Model): Wie lässt sich das Geschäftsmodell technisch abbilden?
Systemarchitekten übersetzen auf dieser Ebene Geschäftsanforderungen in ein konzeptionelles Modell. Das Zachman-Framework trennt hier bewusst Fachlogik von technischer Umsetzung.

Builder (Technology Model): Was wird konkret gebaut?
Entwickler und Technologieverantwortliche beschreiben auf dieser Ebene, wie das Systemmodell in konkrete Technologien überführt wird. Plattformen, Schnittstellen, Infrastruktur werden hier greifbar.

Subcontractor (Detailed Representations): Wie lautet die technische Spezifikation?
Ausführende Teams und externe Dienstleister brauchen keine Konzepte, sondern präzise Vorgaben. Diese Ebene liefert genau das: konkrete Implementierungsanweisungen für jeden Baustein des Systems.

User (Functioning Enterprise): Was läuft tatsächlich in der Praxis?
Am Ende entscheidet nicht das Modell, sondern der Betrieb. Diese Ebene zeigt, wie die Organisation tatsächlich funktioniert, mit all ihren Abweichungen vom Plan.

Die sechs Fragekategorien (Columns)

Das Zachman-Framework stellt sechs Fragen, die es auf jede der sechs Perspektiven anwendet. Wer alle Spalten durcharbeitet, erhält kein abstraktes Modell, sondern ein konkretes Bild seiner Organisation.

What (Data): Welche Daten existieren in der Organisation?
Was eine Organisation weiß, entscheidet, was sie tun kann. Diese Spalte erfasst, welche Datenobjekte vorhanden sind, wie sie heißen und wie sie miteinander in Beziehung stehen.

How (Function): Wie laufen Prozesse ab?
Diese Spalte enthält nicht, welches System läuft, sondern was darin passiert. Sie beschreibt Abläufe und Funktionen so, wie die Organisation sie tatsächlich ausführt.

Where (Network): Wo findet die Arbeit statt?
In dieser Spalte stehen Standorte, Netzwerke und die geografische Verteilung. Außerdem zeigt sie, wie diese Orte miteinander verbunden sind.

Who (People): Wer trägt welche Verantwortung?
Dies ist kein Platz für ein Organigramm, sondern die Visualisierung, wer welche Entscheidungen trifft und wer welche Prozesse verantwortet. Gerade diese Spalte ist für Sicherheitsverantwortliche wertvoll, denn sie veranschaulicht, wo menschliche Risiken in der Unternehmensarchitektur strukturell verankert sind.

When (Time): Wann finden Prozesse statt und was löst sie aus?
Hier stehen die zeitlichen Strukturen im Fokus: Welche Auslöser stoßen welche Folgeprozesse an? Während manche Abläufe einem regelmäßigen Takt folgen, reagieren andere auf bestimmte Ereignisse.

Why (Motivation): Was treibt die Organisation an?
Ziele, Strategien, Entscheidungsgrundlagen. Diese Spalte stellt die Frage nach dem Warum, auf allen sechs Ebenen. Wer sie beantwortet, legt das Fundament für strategisches statt reaktives Handeln.

Zachman-Framework-Template: Matrix herunterladen und direkt einsetzen

Wer das Zachman-Framework in der Praxis einsetzen will, braucht kein Softwaretool. Unsere Vorlage besteht aus einer übersichtlichen Matrix mit sechs Perspektiven und sechs Fragekategorien, zum Ausdrucken, Befüllen oder als digitale Grundlage.

Seite 1: Leere Matrix mit allen 36 Feldern zur freien Befüllung

Seite 2: Ausgefülltes Beispiel anhand eines Handelsunternehmens, das zeigt, wie konkrete Architekturentscheidungen in der Matrix abgebildet werden

Ob Kick-off-Workshop oder laufendes Architekturprojekt: Das PDF liefert eine strukturierte Grundlage, die sofort einsatzbereit ist. Wer das Framework zum ersten Mal einsetzt, nutzt das Beispiel auf Seite 2 als Orientierung. Wer bereits damit arbeitet, startet direkt mit der leeren Matrix.

Tipp für die Praxis: Nicht alle 36 Felder müssen beim ersten Durchgang befüllt sein. Sinnvoller ist es, mit den Perspektiven und Fragekategorien zu beginnen, die für das aktuelle Vorhaben am relevantesten sind. Ein Pflichtumfang ist im Framework nicht vorgesehen.

Wer den Faktor Mensch in seiner Architektur bisher nur schwer greifen konnte, findet im SoSafe Human Risk Management Dashboard einen messbaren Ansatzpunkt. Es macht menschliche Risiken steuerbar, auf genau der Ebene, die das Zachman-Framework in der Who-Spalte beschreibt.

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Zachman-Framework-Beispiel: So füllen Sie die Matrix in der Praxis

Unser Beispiel zum Ausfüllen des Zachman-Framework-Templates macht den Unterschied zwischen Theorie und Anwendung sichtbar. Die folgende Beschreibung zeigt, wie ein Handelsunternehmen die Matrix befüllt und gibt damit eine Orientierung für die eigene Arbeit.

Das Unternehmen verkauft Produkte über Filialen, ein Zentrallager und einen Onlineshop. Drei Vertriebskanäle, verteilte Standorte, unterschiedliche Stakeholder. Genau solche Strukturen lassen sich mit der Zachman-Architecture systematisch erfassen.

So sieht die Befüllung in der Praxis aus:

  • What (Data): Kernobjekte sind Kunde, Produkt und Bestellung. Auf Planner-Ebene reicht die Benennung. Der Builder definiert bereits konkrete Datenbankstrukturen.
  • How (Function): Auf Geschäftsebene steht der Prozess „Bestellung aufnehmen und liefern“. Der Designer übersetzt das in ein Systemmodell mit Order-Management und Lagerverwaltung.
  • Where (Network): Filialen, Zentrallager und Online-Shop sind über eine gemeinsame Cloud-Infrastruktur verbunden. Jede Perspektive beschreibt dasselbe Netzwerk, aber mit anderen Mitteln und einer anderen Detailtiefe.
  • Who (People): Vorstand und Geschäftsführung tragen die strategische Gesamtverantwortung. Je tiefer man in die Matrix geht, desto konkreter werden die Zuordnungen: Auf Subcontractor-Ebene stehen Namen, Teams und externe Dienstleister.
  • When (Time): Das Geschäftsjahr strukturiert sich in saisonale Planungszyklen. Auf Builder-Ebene wird daraus ein konkreter Release-Kalender mit definierten Deployment-Fenstern.
  • Why (Motivation): Auf Planner-Ebene steht das strategische Ziel: Marktanteile sichern, Kundenbindung ausbauen. Die operativen Ebenen übersetzen das in messbare KPIs und vertragliche SLA-Ziele.

Dieses Zachman-Framework-Beispiel zeigt: Dieselbe Organisation wird sechsmal beschrieben, aus sechs verschiedenen Blickwinkeln. Damit entsteht kein Widerspruch, sondern Tiefe.

Das vollständig ausgefüllte Beispiel finden Sie im kostenlosen Zachman-Framework-Download.

Zachman-Framework, TOGAF und FEAF im Vergleich

Enterprise-Security-Frameworks verfolgen unterschiedliche Ansätze: Das Zachman-Framework beschreibt, was dokumentiert werden muss. Das TOGAF-Framework liefert mit der ADM den dazugehörigen Prozess. FEAF standardisiert Architekturarbeit für behördenübergreifende Kontexte.

Das Zachman-Framework vs. TOGAF ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Beide Frameworks ergänzen sich: Zachman gibt die Struktur, TOGAF den Weg. Für regulatorische Anforderungen kommen ISO 27001, das NIST Cybersecurity Framework 2.0 oder das COBIT-Framework hinzu.

Zachman, TOGAF und FEAF auf einen Blick

KriteriumZachman-FrameworkTOGAFFEAF
TypKlassifikationsmodellVorgehensmodellReferenzmodell
KernfrageWas muss beschrieben werden?Wie wird Architekturarbeit organisiert?Wie standardisieren Behörden ihre Architektur?
Prozess enthaltenNeinJa (ADM)Teilweise
ZielgruppeAlle BranchenAlle BranchenÖffentliche Verwaltung
StärkeVollständigkeit und StrukturUmsetzbarkeit und MethodikBehördenübergreifende Konsistenz
SchwächeKein UmsetzungsleitfadenKomplex im EinstiegWenig industrieübergreifend relevant
Kombinierbar mitTOGAF, COBIT, ISO 27001Zachman, COBIT, NISTTOGAF, CIS Controls

Der sinnvolle Einstieg: das Zachman-Framework als Orientierungsraster, das TOGAF-Framework für die Umsetzung. FEAF ist für privatwirtschaftliche Unternehmen nur relevant, wenn enge Zusammenarbeit mit öffentlichen Auftraggebern besteht.

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